TRAUMA HAT VIELE GESICHTER

Wenn wir an Trauma denken, kommen uns im ersten Moment Bilder von Überfällen, Naturkatastrophen, Terroranschlägen, Vergewaltigung, Krieg ect. in den Kopf. Menschen die solche einschneidenden Erlebnisse nicht verarbeiten können, finden und fanden im ICD eine Bezeichnung für Ihr Leiden. PTBS. Die posttraumatische Belastungsstörung. Symptome können hier z.B. Flashbacks, lebhaftes Wiedererinnern, Nervosität, Angst, Verflachung der Gefühle, Reizbarkeit, Vermeidung und Verdrängung sein.


Aber ein Trauma hat viele Gesichter. Kinder von alkoholabhängigen, narzisstischen, depressiven oder gewalttätigen Eltern, Eltern, die wenig oder keine Liebe und Geborgenheit geben konnten, genauso wie eine Person, die als Baby alleine im Brutkasten ohne menschliche Nähe und Wärme lag, ein Kind, dass regelmäßig von seinem Umfeld vernachlässigt, beschimpft, beleidigt, gemobbt, ausgegrenzt oder bedroht wurde, entwickelt mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Traumasymptome wie z.B. tiefe, andauernde Traurigkeit, Gewaltausbrüche, Dissoziationen in stressigen Situationen, schwacher Selbstwert, Gefühl von Wertlosigkeit, Scham- und Schuldgefühle, Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung. Nähe/Distanz Problematik, Gefühl der inneren Leere, Hoffnungslosigkeit uvm.


Seit Januar 2022 findet man im ICD11 nun auch eine Zuordnung dazu. Komplextrauma. Und das ist auch gut so. Denn endlich wird auch diesem seelischen Schmerz ein Gesicht gegeben. Unterschieden wird zwischen Komplextrauma, als Folge langer Traumatisierung, und der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als Folge von einem Monotrauma.


Die Ursache für ein Trauma kann somit in einer einmaligen oder sich ständig wiederholenden Situation liegen, welche eine existentielle Erschütterung darstellt, das Leben oder die Sicherheit von einem selbst oder von anderen bedroht und nicht mit den vorhandenen Strategien bewältigt werden kann.


Übersicht:


Ein Schocktrauma basiert auf einem bedrohlich erlebten Ereignis, bei dem die Person nicht mehr in der Lage ist, sie mit den vorhanden Strategien zu bewältigen. Die erlebte Situation ist zu schnell, zu plötzlich und völlig überwältigend.


Ein Entwicklung- und Bindungstrauma entsteht, wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum enormen Stress ausgesetzt wird z.B. durch Vernachlässigung, harte Bestrafung, Gewalt, Lieblosigkeit oder zu viel Verantwortung. Dem Kind ist es nicht möglich aus der Situation zu fliehen.


Bei einem Sekundärtrauma wird man Zeuge eines überwältigenden Ereignisses. Im Nachgang kann zu einem Schocktrauma führen. Ein Beispiel wäre, Zeuge eines schlimmen Unfalls oder von Gewalt zu sein.


Ein transgenerationales Trauma wird von Vorfahre zu Vorfahre weitergegeben und hat seinen Ursprung in vorangegangenen Generationen, die beispielsweise einen Krieg mit Armut, Angst, Not erlebt haben.


Ein soziales Trauma betrifft ganze Völkergruppen, die Rassismus, Sklaverei, Vertreibung, Genozid, Ausgrenzung o.ä. erleben mussten.






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